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Harrison, R.
... in Philosophie und Ethik:
Robert Harrison und die "Gärten - Ein Versuch über das Wesen der Menschen"

Bitte beachten Sie: Es heißt nicht "Ein Versuch über das Wesen des Menschen", sondern "... der Menschen". Diese scheinbare Nuance ist von grundlegender Bedeutung!

Das Buch wurde im Manufactum-Katalog im Herbst 2010 angekündigt und ich wusste sofort, dass ich es kaufen MUSS. Es hat sich gelohnt - das Buch war wieder einmal ein "Schlüsselerlebnis" des Erkennens, ein Genuss, eine Freude, an den so wundervollen Gedanken anderer Menschen teilhaben zu können.

Ich möchte es einleitend so beschreiben:
Es ist
ein poetisches Buch, in dem es nicht um Poesie geht,
ein philosophisches Buch, in dem es nicht um Philosophie geht,
ein Gartenbuch, in dem es keine Ratschläge für die Gartengestaltung, nicht einmal Abbildungen von schönen Gärten gibt.

Ja, was soll das für ein Buch sein?
Es ist ein Buch, das einem sagt, warum Gartenarbeit so beliebt ist, warum man süchtig danach wird, wenn man sie erst einmal kennen gelernt hat.  Man begreift, dass die  wirkliche „Klassenspaltung“ der Menschen nicht die nach Besitz oder Bildung oder Stellung im Produktionsprozess ist. Es gibt nur zwei Klassen von  Menschen: Gärtner und Nichtgärtner.

Was man bei der Gartenarbeit schon empfunden hat, hier kann man es noch einmal rational nachvollziehen, sich durch den Kopf gehen lassen: Menschen, die keinen Garten haben, die keine Ahnung von der und keine Liebe zur  Gartenarbeit haben, denen fehlt eine entscheidende Komponente des Mensch-Seins.

Es ist ein Buch, bei dem man begreift, warum man zur Gartenarbeit getrieben wird und was Menschen fehlt, die diesen Trieb nicht kennen.
 


Robert Harrison

Gärten
Ein Versuch über das Wesen der Menschen

Titel der amerikanischen Originalausgabe, nach der übersetzt wurde:
Gardens. An Essay on the Human Condition
The University of Chicago Press
Chicago and London 2008
Aus dem Amerikanischen von Martin Pfeiffer

Carl Hansen Verlag München 2010
332 Seiten
24,90 Euro

ISBN 978-3-446-23296-9

 
Quelle des Fotos [Q1)
Manufactum beschreibt das Buch so: Alle Menschen sind Gärtner.
Eigentlich. Die Welt des Gärtners unterscheidet sich fundamental von der des Nichtgärtners. Bevor man ein richtiger Gärtner werden kann, meint der tschechische Dichter Karel Capek in dem unterschätzten „Das Jahr des Gärtners“ (1929), „ist eine gewisse Reife, besser gesagt, ein gewisses väterliches Alter nötig.“ Wenn man jung ist, „dann ist man wie Adam vor dem Sündenfall. Man kostet von den Früchten des Lebens, die einem nicht gehören und glaubt, eine Blume sei das, was man im Knopfloch trägt oder seiner Angebeteten schenkt.“ Für den Gärtner hingegen ist eine Blume das, „was überwintert, was geharkt und gedüngt, gegossen und umgepflanzt, beschnitten und gestutzt, angebunden und von Unkraut, Keimlingen, vertrockneten Blättern, Blattläusen und Mehltau befreit werden muß.“ Laut Capek ist „der Gärtner ein Adam, der sich wieder mit dem Element verbunden hat, aus dem er gemacht ist“ – „bis daß du wieder zu Erde werdest, davon du gekommen bist (Erstes Buch Mose 3,19).“ Seele und Garten ist etwas wesentliches gemeinsam, den Paradiesgarten kennen viele Kulturen. „Ach, ist das nicht ein Paradies?“, seufzt gar mancher Gartengast ganz irdisch.


Beruf der Sorge. Und des Denkens.
Ohne Gärten wäre die Menschheitsgeschichte eine Wüste, eröffnet uns der amerikanische Kulturphilosoph Robert Harrsion an der Eingangspforte seines großen Essays: „Gärten. Ein Versuch über das Wesen der Menschen“. Gärten sind ihm „der beste Beweis dafür, daß die Menschheit nicht ohne Grund auf der Erde ist.“ Wenn es heißt, wir müßten unseren Garten bestellen, meint das, laut Robert Pogue Harrison, der bereits ein Buch über „Wälder“ wie auch über „Die Herrschaft des Todes“ vorgelegt hat, „wir müssen heilende und erlösende Kräfte ausfindig machen und es ihnen gestatten, in uns zu wachsen.“ Wer durch Harrisons kulturphilosophische Parkanlage wandert, wird durch viele verschiedene Arten von Gärten kommen – durch reale, mythische, historische und literarische. Gleich im ersten Streifzug, im ersten Kapitel, läßt er uns an dem „Beruf der Sorge“ teilhaben, der den Gärtner auszeichnet. Auch die Dichtung ist der Gartenarbeit und der Gartenkunst verwandt, nicht nur die blaue Blume der Romantik oder die Parks und Gärten in Goethes „Wahlverwandtschaften“ zeugen davon. Im ältesten literarischen Werk, dem „Gilgamesch-Epos“, gibt es zwei phantastische Gärten, einer ist den Unsterblichen vorbehalten. Und Odysseus gelangt nach Kalypsos, einer Art Insel der Seligen, deren Weinstöcke, Veilchen, Vögel und Quellen er aber verschmäht. In Boccaccios „Dekameron“ (1350) ziehen sich junge Frauen und Männer aus dem von Seuchen verheerten Florenz in eine Villa im nahen Hügelland zurück, um Spaziergänge zu unternehmen, zu erzählen, zu feiern und zu tanzen – eine Flucht aus dem Alltag, keine Frage. Die Gartenmetaphorik trägt reichlich literarische Blüten, quer durch alle Literaturen. Der 1954 in der Türkei geborene Romanist Harrison hat eine Nase für sie, führt uns auch in islamische Teppichgärten und die des Zen. Sein Buch atmet die erfrischende Hemdsärmeligkeit amerikanischer Akademiker – er lehrt an der kalifornischen Stanford University englische und französische Literatur, er kann das Leichte und das Schwere und vermittelt uns die Gartenphilosophie Epikurs ebenso wie das Spirituelle der japanischen Gartensteine oder die Gartenkultur der mittelalterlichen Klöster. „Manche Gärten blicken nach innen, andere nach außen, einige öffnen sich der Welt, andere schließen sich von ihr ab,“ erklärt Harrison.
siehe www.manufactum.de, dort dann nach dem Buch suchen in
Gesamtsortiment > Medien > Bücher

Mein Fazit nach dem Lesen des Buches: Es ist ein Zukunftsbuch, in dem der Garten zur ANALOGIE für den Menschen und für die ganze Erde wird,  das Fazit des Buches ist in einem Satz gesagt:

KULTIVIEREN   - das meint, SICH UND  DEN GARTEN (die Welt) zu "kultivieren", schöner zu machen, besser zu machen, vollkommener zu machen.

Wie soll jemand die ganze  Erde wertschätzen, der nicht gelernt hat, eine kleine Blume, ein Büschel Petersilie, einen Stein, einen Strauch, ja, ein Wildkraut wert zu schätzen?

Deshalb wünsche ich mir:
Nur Gärtner dürften Politiker werden. Nur Menschen, die einen Garten sorgfältig pflegen, dürfen Politiker werden, dürfen andere Menschen anleiten, kontrollieren, dürfen in der Gesellschaft „etwas zu sagen haben“.
 
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Anmerkungen
Fußnoten Q1 Quellenangaben:
Das Foto vom Buchtitel habe ich der Website von Manufactum, http://www.manufactum.de entnommen.
Seiten-Versionen   Diese Seite ist neu seit dem 07. 01. 2012  / korrigieirt 13. 03. 2012    
URL   http://www.die-besten-gedanken.de/dbg02-philo/dbg02h_harrison.html  
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